Sondierung

Die Statements auf den Pressekonferenzen zum Stand der Sedierungsverhandlungen, sorry, der Sondierungsverhandlungen sind immer wieder von so ausgesuchter inhaltlicher Flachheit bei einem Höchstmaß an verbaler Akrobatik, dass ich mich gefragt habe, ob Politiker auch zu Hause so kommunizieren wie gegenüber der geneigten Öffentlichkeit. Hören wir einmal zu, wie ein, sagen wir mal Generalsekretär nach einem langen Sondierungstag seine Frau begrüßt.

„Guten Abend meine liebste Ehefrau von allen, ich freue mich sehr, dass du mich trotz der späten Stunde lächelnd und gut gelaunt erwartest. Ich darf dir versichern, dass ich nach wie vor nicht nur liebesfähig, sondern auch liebeswillig bin. Wie ich olphaktorisch wahrnehmen kann, hast du auch etwas zu Essen zubereitet. Essen zu dieser späten Stunde fördert zwar nicht den Schlaf, dafür aber unser Zusammengehörigkeitsgefühl, den gegenseitigen Respekt und kreiert eine Atmosphäre zugewandter Kommunikation. Die Menge an Unterschieden ist kleiner geworden, die Menge an Gemeinsamkeiten ist größer geworden in unserem Leben und ich spüre, dass wir auch weiterhin Gemeinsames schaffen können. Wir können, wie ich mir zu meinen erlaube, in aller Offenheit feststellen, dass wir uns nach all den Jahren immer noch auf einer vertrauensvollen Basis bewegen, die nicht selbstverständlich ist, deshalb möchte ich dir in aller gebotenen Dringlichkeit mitteilen, dass ich mich freue, dass ich wieder zu Hause bin, nun aber zunächst einmal das Badezimmer aufsuchen muss.“

Schade, dass niemand durch die Sprechblasen bei den Pressestatements dringt, ich bin schrecklich neugierig, wie es bei den Sondierungen intern zugeht. Eines ist klar: das Klimathema ist das entscheidende. Das sehen längst auch die deutschen Unternehmen so und haben über ihre Unternehmerinitiative „Stiftung 2 Grad“ am Montag eine Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität veröffentlicht, ein Statement für mehr Tempo beim Klimaschutz.

Eine 300 Seiten starke Gebrauchsanweisung dafür gibt es schon von der Deutsche Energie-Agentur dena, die in der vergangenen Woche ihre Leitstudie zur Klimaneutralität veröffentlichte.

Zentral sind laut der Expertise die Erhöhung der Energieeffizienz, der umfassende Einsatz von erneuerbaren Energien, die Entwicklung neuer Techniken zur CO2-Senkung, der Umbau der Industrie zur Kreislaufwirtschaft und die sozial gerechte Ausgestaltung der Transformation.

Die dena wurde übrigens im Jahr 2000 auf Initiative der rot-grünen Bundesregierung als private GmbH gegründet und sollte seitdem Wegbereiter für die Energiewende sein. Federführend als Gesellschafter ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch vier Ministerien: das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. 

Damit ist in der dena ein Gremium angelegt, das die Grünen während des Wahlkampfs ins Gespräch brachten: ein vetoberechtigtes Klimaministerium, das alle Regierungsvorhaben nach klimapolitischen Kriterien abklopfen und durchwinken muss. Mit einem solchen Ministerium hätte Klimapolitik endlich die ihr gebührende Position: die Nr. 1.

Sondierungsgespräche Klima

++ IDEALKAPITAL KULTURTIPP ++ Das Schweizer Fernsehen SRF Kultur berichtete am 9.10.2021 über die Kunstsammlung des Schweizer Waffenfarikanten und Geschäftemachers mit Nazi-Deutschland Emil Georg Bührle im neuen Kunsthaus Zürich. Das Buch des Historikers Erich Keller „Das kontaminierte Museum“ zeichnet den Hintergrund dieser umstrittenen Kunstsammlung nach, die durch Ausplünderung und Vertreibung jüdischer Sammler und Galeristen entstand. ++

++ Der Podcast „Cui Bono: WTF happened to Ken Jebsen?“ wurde mit dem Preis für Popkultur ausgezeichnet. Im Juni hatte ich auf den exzellenten Podcast, der die Geschichte des Verschwörungsideologen Ken Jebsen erzählt, im Kulturtipp hingewiesen, nachhören kann man ihn immer noch auf www.radioeins.de ++